E5 Oberstdorf-Meran Etappe 1 von der Spielmannsau ins Lechtal

E5 Oberstdorf-Meran Etappe 1 von der Spielmannsau ins Lechtal

Montag, 05. August 2019

Der Weg ist das Ziel…Von der Spielmannsau bei Oberstdorf geht es über die Kemptner Hütte und das Mädelejoch nach Holzgau im Lechtal

Startpunkt:   Spielmannsau
Etappenziel:  Holzgau (Lechtal)
Gehzeit:      6 Stunden
Höhenmeter:   1100 hm910 hm
Einkehr:      Kemptner Hütte
              Roßgumpenalm

Die Nacht vor dem Start der ersten Etappe war doch irgendwie unruhig. Ich habe schlecht geschlafen und bin doch ein wenig aufgeregt. Mich beschäftigt das Thema Gruppe dann doch mehr als gedacht. Noch nie habe ich eine mehrtätige Tour mit 12 weiteren Menschen gemacht. Wie wird das sein? Wird es eine harmonische Gruppe? Wie schnell oder langsam wird der Wanderguide unterwegs sein? Geht man allein, kann man seine Pausen selbst einlegen oder einfach mal kurz stehen bleiben um der Lunge Zeit zum Luftholen zu geben. Fragen über Fragen…Antworten werde ich finden…nur nicht jetzt.

Die erste Etappe beginnt in der Spielmannsau. Der kleine Ort liegt knappe 7 Kilometer südlich von Oberstdorf im wunderschönen Trettachtal. Da die Strasse für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist (zum Glück – man muss nicht überall mit dem Auto hinfahren können), holt uns der Bus ab und bringt die Gruppe zum Startpunkt.

Das erste Stück des Weges verläuft entlang des Talkessels auf einer Forststrasse. Die imposante Trettachspitze habe ich dabei immer im Blick. Oder Sie mich? Majestätisch thront sie auf jeden Fall hoch oben über dem Tobel – fast wie ein erhobener Zeigefinger.

Ganz am Ende des Tales befindet sich die Materialseilbahn, welche die Kempter Hütte täglich mit allem Wichtigen versorgt. E5 Wandergruppen welche auf der Hütte übernachten, haben ausserdem die Möglichkeit, einen kleinen Teil des Gepäcks mit der Bahn voraus zu schicken. Heute schwebt die Bahn ohne mein Gepäck. Wir haben ja schließlich nur unseren Tagesrucksack dabei.

Was sich in meinem Tagesrucksack befindet, findest du hier: http://www.reiseziege.de/2019/08/19/e5-oberstdorf-meran/

Ab hier verändert sich auch der Weg. Es geht in den engen Sperrbachtobel durch schattigen Mischwald leicht bergan. Die tosende Trettach zur rechten immer im Blick und im Ohr. Schon bei meinem letzten Aufstieg zur Kemptner Hütte war der Weg hier nass und matschig. So auch heute. Bereits nach kurzer Zeit ist mein Schuhprofil voller Schlamm und es zeigt sich wieder einmal, dass ein ordentlicher Bergschuh von Nöten ist! Turnschuhe oder gar Sandalen haben hier definitiv nichts verloren.

Nach ein paar steileren Serpentienen erreichen wir das sogenannte Knie.  Ein kleiner Vorsprung mit einer noch kleineren Kapelle , welche hier oben zur Wallfahrt zwischen Oberstdorf und Holzgau errichtet wurde.  Bereits im 17. Jahrhundert!! Ich finde es immer wieder beachtlich, mit welch wenigen Mitteln in diesen Zeiten die Berge begangen wurden. Heute dient dieser Ort eher als Rastplatz für die Wanderer auf dem Weg zur Kempter Hütte und weniger als Wallfahrtsort. Schade eigentlich.

Kurz nach der Kapelle quert der Weg die Trettach. Der lange und harte Winter hat seine Spuren hinterlassen und die Brücke ist wieder einmal zerstört. Im letzten Jahr wurde sie erst neu aufgebaut. So führt der Weg momentan über ein Altschneefeld. Nicht mehr schön anzuschauen. Matschig und voller Erde will es trotzdem sturzfrei überquert werden. 

Nachdem der Bach bzw. das Schneefeld überquert ist, geht es auf der anderen Seite weiter bergauf. Der Weg durch den Sperrbachtobel ist jetzt steiler und steinig. Links Fels, rechts – tief unten der Bach. Durch das fließende Wasser ist der Weg immer sehr nass und somit entsprechend rutschig. Teilstücke sind mit einem Stahlseil gesichert und es ist absolute Trittsicherheit und Konzentration erforderlich.

Dieses Jahr ist dieses Stück allerdings besonders imposant. Durch die massiven Schneefälle ist der Weg immer noch nicht Schneefrei. Jedoch führt der Weg momentan nicht über den Schnee, sondern unter dem Schnee hindurch. Optisch ein Naturschauspiel – schaut der Schnee fast aus wie eine Bienenwabe. Aber auch mental eine kleine Herausforderung. Besonders dick scheint der Schnee an der ein oder anderen Stelle über dem Kopf nicht mehr zu sein. Und das Schmelzwasser tropf stetig auf meinen Kopf.

(Die oberen 4 Bilder stammen aus September 2018, die unteren Bilder mit Schnee aus August 2019)

Nach der Schlucht zeigen sich die Allgäuer Alpen von ihrer schönsten Seite. Trettachspitze und Mädelgabel ragen schroff aus der lieblichen grünen Almlandschaft heraus. Auf der rechten Seite zeigt sich die Kemptner Hütte. 

Genau das liebe ich! Diese Gegensätze und genau diesen Ort mit all seiner Kraft und Schönheit!

Der letzte Anstieg bis zu Hütte verläuft durch blühende Almwiesen. Das Pfeiffen der Murmeltiere klingt fast wie eine Begrüßung – bis ein frei laufender Hund die Idylle vorübergehend zerstört. Nach 2,5 Stunden haben wir die Kemptner Hütte erreicht.

Wir machen eine knappe Stunde Rast auf der Terrasse und lassen uns Speckbrot, Kuchen und ein kühles Getränk schmecken. Auf dem Weg bisher sind wir nicht sonderlich vielen Wanderern begegnet, die Terrasse ist jedoch gut gefüllt. Ein Plätzchen für 12 haben wir jedoch gefunden. Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass der Weg total überlaufen ist.

Die Kemptner Hütte ist eine Hütte des deutschen Alpenvereins, Sektion Kempten und wurde bereits 1891 erbaut. Witterungsabhängig ist die Hütte von Mitte Juni bis Mitte Oktober geöffnet und bietet knapp 300 Schlafplätze. Allerdings heute nicht für unsere Gruppe.

Für uns geht es gut gestärkt weiter.

In einer knappen halben Stunde erreicht man das Mädelejoch (1973 m). Hier verläuft die Grenze zwischen Bayern und Tirol – also zwischen Deutschland und Österreich. In Richtung Süden geht es nach Holzgau im Lechtal.

Wir sind in Österreich.

Für heute geht es nun „nur“ noch bergab. Bis zur Roßgumpenalm führt der Weg erst felsig, später durch Latschenkieferwald hinunter in Richtung Tal. Die Roßgumpenalm lädt nochmal zu einer kleinen Rast ein.

Danach läuft man entspannt über eine Schotterstraße bis nach Holzgau hinein.

Leider ist bei unserer Route die Überquerung der berühmten Holzgaubrücke nicht dabei. Aber auch von unten schaut die Hängebrücke imposant aus.

Man muss ja im Leben noch Ziele haben…

Unbezahlte und unbeauftragte Werbung. Alle hier genannten Hütten, Hotels etc. sind von mir Privat besucht worden!

2 Antworten

  1. Köster Sabine sagt:

    Das hört sich interessant an, wie viel muss man vor so einer Tour trainieren? Würde es gerne nächstes Jahr mit meiner Freundin und ihrem Hund machen.
    LG Sabine aus Soest / NRW

    • Reiseziege sagt:

      Hallo Sabine,
      eine gewisse Grundfitness und ein wenig Wandererfahrung solltest du haben. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind absolut wichtig! Wir haben nicht extra trainiert, sind allerdings regelmäßig in den Bergen unterwegs und auch zu Hause immer viel on Tour. In den Hütten sind meist leider keine Hunde erlaubt, da müsst ihr unbedingt vorher nachfragen!
      Ansonsten kann ich dir die Tour nur an’s Herz legen. Es war einfach traumhaft! Wenn es soweit ist, freue ich mich auf Bilder von eurer Tour 🙂
      LG sendet dir Steffi (Reiseziege)

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