E5 Oberstdorf-Meran Etappe 6 vom Passeiertal nach Meran

Samstag, 10. August 2019

Der letzte Tag…auf dem Weg nach Meran.

Genauso wehmütig wie im August, am Morgen unserer letzten Etappe auf dem E5, bin ich beim Schreiben des letzten Beitrages. Es ist ein wenig der Abschluss dieser wundervollen Tour und Erfahrung!

Startpunkt:   St. Martin 
Etappenziel:  Meran
Gehzeit:      5 Stunden 
Höhenmeter:   ↑1200 hm ↓250 hm 
Einkehr:      Pfandleralm
              Mahdalm
              Hirzer Hütte

Schon am Abend herrschte irgendwie bedrückte Stimmung und genauso fühlt es sich in der Früh an. Heute soll wirklich die letzte Etappe beginnen? Auf der einen Seite bin ich froh, endlich mal wieder ausschlafen zu können, die müden Beine in einen Liegestuhl zu legen…auf der anderen Seite könnte es noch ewig so weiter gehen. 

Das Frühstück im Gasthof ist so gut wie das gestrige Abendessen. Es gibt frische Vinschgauer mit Speck. Normalerweise lasse ich das Frühstück ausfallen und begnüge mich mit einer Tasse Kaffee…oder drei…aber heute mag selbst ich den Südtiroler Spezialitäten nicht widerstehen.

Überpünktlich, um kurz vor acht, steht die gesamte Truppe vor dem Hoteleingang und wartet auf den heutigen Transfer. Die ersten Kilometer bringt uns der Bus nach St. Martin in Passeier und weiter hoch in Richtung Pfandleralm.

Die eigentliche E5 Route führt natürlich von Moos zu Fuß nach St. Martin. Wir werden diesen Abschnitt allerdings aus lassen und starten beim beim Parkplatz kurz vor der Pfandler Alm. Wir sind dieses Stück bereits im April bei unserer Tour durch das Passeiertal gelaufen. Infos zu dieser Etappe findest du im folgenden Beitrag:

https://www.reiseziege.de/2019/07/28/von-moos-nach-st-leonhard-im-passeiertal-unterwegs-auf-dem-europaeischen-fernwanderweg-e5/ 

Wenn du direkt von St. Martin aus startest, sind es bis zur Pfandleralm nochmals 750 Höhenmeter und knappe 4 Kilometer mehr. Es geht dann über den Prantacherweg hinauf.

Die Gruppe startet in Richtung Pfandler Alm auf einem Waldweg. Direkt ab dem ersten Meter geht es steil bergauf. Es ist ziemlich bewölkt und die Luftfeuchtigkeit ist enorm. Nach 10 Minuten bin ich bereits nass geschwitzt und dem ein oder anderen Mitwanderer tropft der Schweiß von der Nasenspitze. Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir die Alm auf 1350 m. Leider ist es noch zu früh für eine Einkehr. Die Spinatknödel sollen hier legendär sein – für mich gibt es heute leider keine.

Dieser Ort ist geschichtlich übrigens von großer Bedeutung. Genau hierher hatte sich der Südtiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer geflüchtet. Er wurde verraten, auf der Alm aus seinem Versteck heraus festgenommen und 1810 erschossen.

Nach der kurzen Geschichtsstunde laufen wir weiter. Momentan ist die original Route gesperrt und wir müssen einen Umweg in Kauf nehmen – mehr Höhenmeter und mehr Kilometer.

Die folgenden 2 Stunden haben es in sich. Es geht steil, also wirklich steil, bergauf. Der Pfad ist teils matschig und durchweg schmal. Es gibt auch nicht nur eine Sekunde ein annähernd flaches Stück. Es geht einfach nur steil bergauf. Die Gruppe ist komplett ruhig und die Mimiken sagen alles. Ein Ende des Weges ist nicht in Sicht. Immer wenn ich denke, wir haben die Baumgrenze erreicht, lassen sich die nächsten Tannen blicken. Ganz ehrlich…hier habe ich mit mir gekämpft! Kurzzeitig schwebten Gedanken wie „Ich gehe hier keinen Meter mehr weiter“ oder „warum mache ich diesen Scheiß“ in meinem Kopf. Wenn man wenigstens noch die tolle Aussicht genießen könnte, die man hier eigentlich auf auf das Passeiertal und die gegenüberliegende Texelgruppe hat…

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir am Riffl, dem Zwischenziel an. Ich setze mich ins Gras und versuche mich zu sammeln. Schließlich geht es ja noch weiter…

Der weitere Wegverlauf ist nach einem kurzen „harmlosen“ Anstieg gut zu erkennen. Und auch die Wolken lockern ein wenig auf und geben die umliegenden Berge frei. Die Gedanken von vor 2 Stunden sind längst vergessen und ich genieße wirklich jede Sekunde des Weges. Genau so schnell wie das Wetter in den Alpen, ändert sich zum Glück gerade meine Gefühlslage.

1,5 Stunden später erreichen wir die Mahdalm, auf der wir eine ausgiebige Rast machen. Die einen fallen in den Liegestuhl, die anderen fallen über die Speisekarte her 😉 Zu denen gehöre auch ich. Wandern hat ja schließlich auch etwas mit Genuss zu tun…

Von der Mahdalm laufen wir nun noch einmal eine knappe Stunde bis zur Bergstation der Hirzerseilbahn die uns knieschonend ins Tal bringt. Ich glaube, auf diesem Stück waren wir nicht sonderlich schnell unterwegs. Mit dem Erreichen der Seilbahn endet quasi unsere Wanderung, das wird gerade auf diesen Metern nochmal so bewusst.

Der Transferbus steht schon bereit und wir fahren die letzten Kilometer nach Meran. Hier wartet ein schickes Hotel mitten in der Stadt auf uns. Es ist heiß, die Sonne brennt und ich brauche nun dringend ein kalte Dusche!

Nachdem ich nun einigermaßen „Stadttauglich“ bin, flanieren wir durch die Meraner Altstadt. Es ist ein wenig unwirklich. Nach 6 Tagen Ruhe, Berge, Natur, Almhütten, Brotzeiten, einsamer Bergdörfer und kleinen gemütlichen Gasthöfen, finde ich mich nun inmitten von Trubel, Verkehr, herbstlich dekorierten Schaufenstern und gut gekleideten Menschen wieder. Und auch unser Tisch im Speisesaal im Hotel ist festlich gedeckt.

Ich werde noch einige Zeit brauchen um mich daran zu gewöhnen. Weniger ist mehr…das habe ich in den letzten Tagen gelernt…

Hast du Fragen zur Tour?

Schreib mir gerne eine mail an: reiseziege@web.de oder kommentiere diesen Beitrag

Unbezahlte und unbeauftragte Werbung. Alle hier genannten Hütten, Hotels etc. sind von mir Privat besucht worden!

Du suchst weitere Infos zur Tour? Hier findest du Tipps, Hinweise und die kompletten Etappenbeschreibungen https://www.reiseziege.de/2019/08/19/e5-oberstdorf-meran/

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