Wildnis-Trail Eifel

Wildnis-Trail Eifel

Pssst…komm doch mal ganz leise mit!

Denn hier gibt es etwas zu entdecken – nämlich die Entstehung der Wildnis mitten in Nordrhein-Westfalen.

Auf vier Etappen bin ich durch den Nationalpark Eifel gewandert und konnte die Entstehung der Wildnis hautnah miterleben. Auf dem 84 Kilometer langen Wildnis Trail ist man wirklich mittendrin. Alles Nötige habe ich im Rucksack. Meine Unterkünfte habe ich vorab gebucht. So konnte ich ganz entspannt die einzelnen Etappen genießen und mich am Abend auf eine heiße Dusche und ein frisch gemachtes Bett freuen.

Der Nationalpark

Bereits 2004 wurde die Region rund um Urft und Rur zum Nationalpark erklärt und seither wird in das Geschehen des Waldes nicht mehr durch Menschenhand eingegriffen. Das erlaubt der Natur das zu tun, was sie am besten kann. Sich selbst gestalten.

Und so gibt es größtenteils Mischwälder mit jungen Buchen, Eichen und vielen anderen kleinen Pflanzenarten. Im Frühjahr, wenn der Ginster in voller Blüte steht, leuchtet die Dreiborner Hochfläche in hellem gelb, jetzt im Herbst strahlen die Blätter der Buchen im warmen rot. Manchmal müssen Hindernisse auf dem Weg überwunden werden. So geht es teils über, oder unter umgestürzten Fichten hindurch, die den Kampf gegen den Borkenkäfer auch hier verloren haben.

Eine einzigartige Tierwelt hat sich den Nationalpark als neues zu Hause ausgesucht. Schwarzspechte und Schwarzstörche haben sich angesiedelt. Und wenn ich auch die so seltene Wildkatze nicht erblicken konnte, irgendwo im Dickicht des Waldes lebt sie. Dafür habe ich den Feuersalamander entdeckt, ebenso unzählige frische Spuren von Wildschweinen, die in dem Laub nach Fressbarem gewühlt haben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich froh darüber bin keines von ihnen gesehen zu haben.

Neben der abwechslungsreichen Naturkulisse gibt es eine Menge Kulturelles zu entdecken. Ein Kloster, die ehemalige NS Ordenburg Vogelsang und die Wüstung Wollseifen sind nur einige Highlights auf der Route von Höfen nach Zerkall.


Erste Etappe: Höfen – Einruhr

Auf der ersten Etappe geht es gleich ans Eingemachte, denn auf der Tour sind knappe 25 Kilometer zu bewältigen. Da bekommt das Wort „einlaufen“ gleich eine ganz andere Bedeutung. Beim Nationalparktor-Haus in Höfen beginnt die Tour. Ein rundes Holzschild mit dem Piktogramm der Wildkatze zeigt den Startpunkt an. Das Piktogramm begleitet einen übrigens auf der gesamten Tour und findet sich auf den Wegweisern wieder. Die Wegkennzeichnung ist durchweg klasse und die Route kann man ohne großes Suchen nach der nächsten Abzweigung laufen. Im Frühjahr beginnt hier übrigens auch der Narzissenweg. Wie der Name schon sagt, ist der Weg dann gesäumt von blühenden Narzissen. Die Etappe ist geprägt von schmalen und zu meiner Zeit teils mit Laub bedeckten und dadurch rutschigen Pfaden. Ich folge dem Perlenbach und überquere den Mühlenweg. Laufe ein kurzes Stück durch das noch übrig gebliebenen Gerippe des Fichtenwaldes, überquere einige Bäche, spaziere über Wiesen und wandere durch noch junge Buchenwälder.

Ein Wanderer ist mir auf der Etappe übrigens nicht begegnet. Das ist für die Eifel wirklich ungewöhnlich. Gar nicht ungewöhnlich ist dagegen der schlechte Mobilfunkempfang, der auf dieser Etappe wirklich ganz miserabel war. Nicht, dass ich ihn gebraucht hätte, aber das noch nicht mal der Notruf funktioniert, ist schon aussergewöhnlich. Aber genau das ist eben Wildnis!

Da es auf dieser Etappe keinerlei Einkehrmöglichkeiten gibt, habe ich ausreichend Proviant in den Rucksack gepackt. Zahlreiche Bänke und Unterstände laden unterwegs mit schönen Aussichten zum Picknick ein. Apropos Aussicht. Die ist kurz vor Ende der Tour besonders sehenswert. Von einem kleinen Felsvorsprung hat man einen bezaubernden Blick auf den Obersee und das heutige Etappenziel Einruhr.

  • Länge: 24 Kilometer
  • Höhenmeter: ↑ 573 Meter, ↓ 828 Meter
  • Höchster Punkt: 625 Meter 
  • Niedrigster Punkt: 280 Meter 
  • Keine Einkehrmöglichkeit!
  • So gut wie kein Mobilfunknetz mit Vodafone!
  • Zahlreiche Wasserstellen für Hunde vorhanden

Highlights der ersten Etappe

  • Ausstellung im Nationalpark-Tor Höfen
  • das idyllische Erkensruher Tal
  • die Dreiborner Hochfläche
  • abwechslungsreicher Wegverlauf und einsame Pfade
  • den schönen Ausblick über den Obersee
  • den Nationalpark-Infopunkt Einruhr
  • im Frühjahr sind die Wiesen übersät mit gelben Narzissen
  • im Herbst eine rot gefärbte Buchenallee

Zweite Etappe: Einruhr – Gemünd

In der Früh geht es am Heilsteinhaus in Einruhr weiter. Der Wildnis-Trail verläuft an dieser Stelle durch das kleine verschlafene, aber durchaus ansehnliche Dörfchen mit seinen Fachwerkhäusern. Entlang des Seeufers oder über die sogenannte Steigungsvariante kann man jetzt wandern. Ich habe mich unwillkürlich für die Seevariante entschieden, denn den Abzweig zur Steigungsvariante habe ich schlichtweg verpasst. Kilometer habe ich dadurch keine eingespart, nur ein paar Höhenmeter. Und hätte ich nicht diesen Weg gewählt, wäre mir nicht die größte Ringelnatter begegnet, die ich bisher gesehen habe. Und auch der Feuersalamander wäre unentdeckt geblieben.

Einmal um den halben Obersse laufe ich immer entlang des Ufers, bevor es ein kurzes Stück bergauf geht. Nach ein paar Metern gibt es links eine Abzweigung Richtung Urftstaumauer und diesen kleinen Schlenker nehme ich noch mit. Die ehemals größte Staumauer Deutschlands bietet einen malerischen Blick auf den Obersee auf der einen und den Urftsee auf der anderen Seite. Die wenigen Meter gehe ich anschließend auf gleichem Wege wieder zurück und schon laufe ich weiter bergauf, über die Dreiborner Hochfläche bis nach Wollseifen. Das verlassene Dorf verdient einen Moment Aufenthalt. An den noch übrig gebliebenen Gebäuden informieren Infotafeln über das, was hier einst geschehen ist. In der Ferne sieht man bereits Vogelsang, die ehemalige NS Ordensburg. Auch dieser Ort bietet eine Menge Geschichte. Da es zeitlich jedoch nicht für einen Besuch der Ausstellung reicht, gehe ich zügig vorbei. Nun wird es auch wieder einsamer und die Wege schmaler. Am Waldrand und über einen Wiesenhang entlang geht es bis nach Gemünd.

  • Länge: 20 Kilometer
  • Höhenmeter: ↑ 552 Meter ↓ 510 Meter
  • Höchster Punkt: 522 Meter 
  • Niedrigster Punkt: 280 Meter 
  • Einkehrmöglichkeit an der Urftstaumauer (man muss allerdings einen kleinen Umweg machen – liegt nicht direkt am Weg)
  • Restaurant Vogelsang IP
  • Zahlreiche Wasserstellen für Hunde

Highlights der zweiten Etappe

  • Enge Pfade entlang der steilen Hänge des Obersees vermitteln natürliche Ruhe.
  • der Ausblick von der Urftstaumauer – Europas ehemals größte Talsperre.
  • die Wüstung Wollseifen.
  • die ehemalige Nazi-Ausbildungsstätte Vogelsang IP
  • der Aussichtspunkt Kickley mit einer tollen Aussicht auf Urft und Gemünd

Dritte Etappe: Gemünd – Heimbach

Mit einer Wanderung entlang des Tals der Urft beginnt die dritte Etappe. Mit viel Glück kann man hier den Eisvogel beobachten. Ich hatte dieses Glück bei meiner Tour zwar leider nicht, habe mich aber an den anderen Schönheiten dieser Route erfreut. Es geht durch den wilden Kermeter und der ist nicht nur wild, sondern auch wunderschön. Verwunschene, knorrige Eichenwälder prägen das Waldbild und laden immer wieder ein, den Blick einmal nach oben in Richtung Baumkrone schweifen zu lassen. Der ein oder andere Specht hat sich hierdurch rein zufällig erblicken lassen.

Bergauf laufe ich nun in Richtung Wolfgarten. Ein kleines, durch seine Bewohner liebevoll gestaltetes Dörfchen, dass an zwei Pausenplätzen zum verweilen einlädt. Ich fand es wirklich kuschelig hier. Nach dem Überqueren einer Hauptsrasse (zum Glück nicht viel befahren) durchwandere ich wieder einmal einen Eichen- und Buchenmischwald. Aber auch kahle Fichtenareale gibt es immer wieder. Diese Abschnitte sind übrigens immer mit einem Hinweisschild gekennzeichnet: „Achtung – besonders gefährlicher Wegabschnitt“. Ich möchte nicht ausschließen, dass hier eine der noch übrig gebliebenen Fichten einfach mal umfällt. Verweilen sollte man also besser wenige Meter weiter. Oder aber am Kloster Mariawald, wo es nicht nur Pausenbänke gibt, sondern auch die Möglichkeit zur Einkehr im rustikalen Klosterrestaurant.

In einer großen Schleife führt der Wildnis-Trail nun teils steil den Kermeterhang bergab. Umgestürzte Fichten müssen auf diesem Stück mal umlaufen werden, mal muss man über sie herüber klettern bevor man entlang des Seeufers nach Heimbach einläuft. Wer am heutigen Tag ein paar Kilometer einsparen möchte, kann vom Kloster auch direkt nach Heimbach laufen. Dann sind es nur noch knappe 3 Kilometer.

TIPP: Ich habe im Haus Diefenbach übernachtet, welches ein wenig ausserhalb von Heimbach liegt. Da es dort kein Restaurant oder ähnliches gibt ist es empfehlenswert, bereits in Heimbach etwas zu essen. Auf Anfrage serviert auch das Haus Diefenbach ein Abendmenu – das solltest Du aber vorher anfragen!

  • Länge: 22,4 Kilometer
  • Höhenmeter: ↑ 394 Meter, ↓ 518 Meter
  • Höchster Punkt: 513 Meter 
  • Niedrigster Punkt: 204 Meter 
  • Einkehrmöglichkeit im Kloster Mariawald und in diversen Restaurants in Heimbach
  • Ausreichend Wasserstellen für den Vierbeiner vorhanden

Highlights der dritten Etappe

  • Buchen- und Eichenwälder des „Kermeter“ 
  • das Kloster Mariawald – hier kann man nicht nur eine Pause einlegen sondern auch das Trappistenkloster besichtigen
  • Die Ausstellung im Nationalparktor-Haus

Vierte Etappe: Heimbach – Zerkall

Die letzte Etappe ist gleichzeitig auch die kürzeste. Von Heimbach gehe ich erstmal durch den Ort und folge ein Stück der Hauptrasse. Dank der Beschilderung ist der Einstieg in den Wald rasch gefunden. Die heute Etappe führt meist über breite Wirtschaftswege und mir persönlich fehlt ein wenig die „Wildnis“. Eine schöne Wanderung ist es allemal, aber im Vergleich zu den ersten drei Etappen fällt mir das leider auf. Über offene Hochflächen, an Waldrändern entlang folge ich dem Katzenpiktogramm durch den Hetzinger Wald. Ich quere eine Art Bauhof und lege noch eine Pause an einem überdachten Picknickplatz ein, bevor ich hinab nach Zerkall wandere. Hier gibt es nochmal ein kurzes, sehr schönes verwunschenes Stück Wald. Zahlreiche Fliegenpilze wachsen rechts und links des Weges. Das ist wirklich hübsch.

Das Nationaltorpark-Haus ist das offizielle Ziel der viertägigen Wanderung. Wer fleißig Stempel auf der Route gesammelt hat, kann sich eine Wildnis-Trail Urkunde ausstellen lassen. Das mache ich natürlich auch 🙂

  • Länge: 17,8 Kilometer
  • Höhenmeter: ↑ 387 Meter, ↓ 424 Meter
  • Höchster Punkt: 406 Meter ü. NN (Neuenhof)
  • Niedrigster Punkt: 173 Meter ü. NN (Zerkall)
  • Keine Einkehrmöglichkeit!
  • Ausreichend Wasserstellen für den Hund

Highlights der vierten Etappe

  • der Hetzinger Wald mit knorrigen Eichen
  • ein interessanter Mischwald
  • Die Ausstellung im Nationalparktor-Haus
  • das Schlehbachtal

Die Rückreise

Eine immerwährende Frage, wenn es um Fernwanderwege geht. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel bietet sich meistens an. In der Eifel ist das aber so eine Sache. Für mich war es einfacher, mit dem Auto anzureisen und am Startpunkt in Höfen zu parken. Hier gibt es einen großen Wanderparkplatz direkt am Nationalpark-Tor. Als Wildnis-Trail-Wanderer erhält man hier – ab einem Mindestaufenthalt von drei Tagen – ein vergünstigtes Parkticket

Am letzten Tag der Wanderung fährt direkt neben dem Ziel am Nationalpark-Tor Zerkall die Ruhrtalbahn. Entweder fährt man in Richtung Aachen, oder zurück nach Heimbach um dort mit dem Ruftaxi weiter nach Höfen zu gelangen. Hier fährt täglich der Trail-Express, bei dem man sich allerdings mindestens 24 Stunden vorher anmelden muss.
Erreichbar ist die Monschauer Land Touristik Werktags (Montag bis Freitag) unter Telefon 02473 / 93770.

Alles rund um den Wildnis-Trail und viel Wissenswertes zum Nationalpark findest Du übrigens im druckfrischen Buch von Maria A. Pfeifer (Hrsg.) Für 14,95 Euro erhältlich bei Deinem Buchhändler oder über den Link*.

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